Evangelisch - lutherischer Kirchenkreis Wolfsburg
Kirche Wolfsburg

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Partnerschaft mit der russischen
St. Georg Gemeinde in Togliatti

Kontakt über
Pastor i.R. Horst-Ulrich Braun
Königsberger Str. 21
38440 Wolfsburg
Telefon05361-3081980
eMailHorst-Ulrich-Braun[AT]arcor[DOT]de

Über Togliatti und die Städtepartnerschaft
Horst-Ulrich Braun, P.i.R., Beauftragter des Kirchenkreises für die Partnerschaft zur Ev.-luth. Kirchengemeinde in Togliatti Die Stadt mit ca. 850.000 Einwohnern liegt am linken Ufer des Wolga-Stausees, ca. 100 km nordwestlich der Gebietshauptstadt Samara (früher: Kuibyschew). Es gibt dort u.a. das Wolga-Autowerk ("Lada" und "Niwa"), 6 Hochschulen, 3 Theater, 7 Kulturpaläste und die Philharmonie. Gegründet wurde die Stadt unter dem Namen Stawropol im Jahre 1737. Ab 1950 wurde das Wolga-Stauwerk gebaut. Das Städtchen Stawropol lag im Überschwemmungsgebiet und musste verlegt werden. Seit 1964 erhielt sie den Namen Togliatti. Nach schnellem Wachstum ist Togliatti heute ein großes Industriezentrum mit den Schwerpunkten Maschinenbau und Chemie. Seit 1991 besteht die Städtepartnerschaft Togliatti - Wolfsburg. Bereits 1981, z.Z. der Nachrüstungsdebatten, hatten Friedensgruppen in Wolfsburg mit Unterstützung des Superintendenten die Partnerschaft mit einer "sowjetischen Stadt" gefordert. Wenig später wurde die Autostadt Togliatti als geeigneter Partner für den VW-Standort Wolfsburg vorgeschlagen. 1988 organisierte die lndustriediakonie (Arche) den ersten Besuch einer Wolfsburger Gruppe in Togliatti.
Auf der evangelisch-lutherischen Ebene gibt es erste Kontakte seit 1998. Aus Samara informierte Pastor Bareis brieflich über eine Gruppe evangelisch-lutherischer Christen in Togliatti und fragte an, ob Wolfsburg diese Gruppe unterstützen könnte. Sein Nachfolger, Propst Markus Schoch, ist inzwischen 4-mal (2000, 01, 03 und 04) zu Gesprächen mit Kirchenkreisvertretern nach Wolfsburg gekommen.

Wie entstand die evangelisch-lutherische Gemeinde in Togliatti?
Eine Gruppe von ca. 120 deutschstämmigen oder an der deutschen Kultur interessierten Menschen unterschiedlichster ethnischer Zugehörigkeit trifft sich regelmäßig zu Veranstaltungen im "Deutschen Kulturzentrum" der Stadt. Dort werden seit 1998 alle 2 Wochen sonnabends evangelisch-lutherische Gottesdienste mit Pastoren entweder aus Samara oder aus Uljanovsk gefeiert. Im Anschluss wurde Konfirmandenunterricht erteilt. Diese Angebote werden von den Menschen erbeten, weil sie durch die Religion Hilfe bei ihrer ldentitätssuche erhoffen. Im Zusammenhang mit zerbrechenden Wertevorstellungen nicht nur in der Umbruchzeit der sog. "Perestroika" (Zerfall des kommunistisch-sozialistischen Wertesystems), sondern auch in der unsicheren Situation der beginnenden Marktwirtschaft sind die Menschen sowohl wirtschaftlich als auch psychisch und ideell verunsichert. Traditionell "russische" Werte sind verschüttet oder durch den Sozialismus gezielt zerstört worden. Neue Werte konnten sich noch nicht ausbilden und bewähren. Daher versuchen die Menschen ihre "Wurzeln" zu erkunden, die sie einerseits von ihrer ethnischen Herkunft und deren Kultur her erhoffen. Andererseits entdecken sie auch Religion und Glaube als "Heimat" und wichtigen ldentifikationspunkt in ihrem Leben. Deshalb zieht die kleine Gruppe lutherischer Christen in Togliatti Menschen unterschiedlichster Herkunft an.

Lutherische Christen in Russland
"Neu" ist der lutherische Glauben in Russland nicht. Bereits im 16.Jh. sind erste lutherische Christen und Gemeinden aus Kriegsgefangenen und Händlern in westlichen Teilen des Russischen Reiches (besonders aus Finnland um St. Petersburg) bezeugt. Durch die Eroberungen und Einladungen von Zar Peter dem Großen und Katharina der Großen kamen immer mehr lutherische Christen nach Russland. Unter ihnen waren im 18. und 19. Jh. besonders viele Bauern aus Mittel- und Südwestdeutschland, die u.a. an der Wolga angesiedelt wurden. Ihnen wurde dort das Recht auf freie Ausübung ihres pietistisch und bruderschaftlich ausgerichteten evangelisch-lutherischen Glaubens zugestanden. Nachdem sich das Reich Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. immer weiter nach Osten ausgedehnt hatte, wurden zusätzlich Militär-, Verwaltungs- und Wirtschaftsberater zur Sicherung der Grenzen und zum Aufbau aus Deutschland und Skandinavien angeworben. Daher umfasst die evangelisch-lutherische Kirche in Russland, der Ukraine, Kasachstans und Mittelasiens (ELKRAS) heute vor allem zwei Gruppen: einerseits die Nachkommen der Bauern und Handwerker, die sich vor allem in ländlichen Gebieten in sog. "Brüdergemeinden" versammeln und sich im Wesentlichen durch ein pietistisch, biblizistisches Glaubens- und Gemeindeleben auszeichnen, das von Laien geleitet und geprägt wird. Ihre "Gemeindesprache" ist überwiegend Deutsch. Andererseits finden sich in der ELKRAS die sog. "Stadtgemeinden", die volkskirchlich geprägt sind. Sie laden in überwiegend russischer Sprache ein und sprechen so Menschen generationsübergreifend und unterschiedlichster ethnischer Herkunft an. Vor allem Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Akademiker finden in diesen Gemeinden Antworten auf ihre Fragen und erleben Gemeinschaft und Hilfe.

Wie sieht die Gemeinde heute aus?
Nachdem das Gottesdienstleben durch regelmäßige Besuche von Pastoren aus Samara und Uljanovsk intensiviert und durch zwei Besuchsreisen von Diakonin i.R. Lore Engelkes und Pastor i.R. Friedhelm Brockmann gestärkt werden konnte, kommen heute nicht nur Russlanddeutsche, sondern auch Menschen anderer ethnischer Herkunft (z.B. Ukrainer, Polen, Russen) zu Gemeindetreffen zusammen. Auch fühlen sich immer mehr junge Menschen angesprochen und fragen nach Gottesdienst, Unterricht und Gemeinschaft. Gottesdienste werden z.Z. noch im "Deutschen Kulturzentrum" gefeiert.

Die Zukunft der Gemeinde
Im Mai 2002 hatte der Kirchenkreis Wolfsburg beschlossen, der Gemeinde in Togliatti Anschubhilfe zu leisten. Durch die Besuche von Diakonin i.R. Lore Engelkes und Pastor i.R. Brockmann konnten wichtige und konkrete Erkenntnisse gesammelt werden, die die Anschubarbeit erleichterten. Beide betreuten im Wechsel über Monate die Gemeinde durch Gottesdienste und Amtshandlungen. Die Registrierung der Gemeinde beim russischen Staat wurde im Juni 2003 vollzogen.

Die Finanzierung einer Pastorin für Gehalt, Wohnung und Sozialbeiträge sollte für 3 Jahre gesichert werden (pro Jahr 4000,- Euro). Die Hälfte dafür bringt der Kirchenkreis auf und die andere Hälfte übernahm freundlicherweise die "Margarete-Schnellecke-Stiftung Wolfsburg". Seit 1. August 2003 ist Tatjana Pastorin Tatjana Ztuvodjerova und Probst Schoch Ztuvodjerova evangelisch-lutherische russische Pastorin in Togliatti. Es wurde ein Kirchenvorstand berufen, es wird Konfirmandenunterricht erteilt, ein Kinderchor entsteht und die Gemeinde wächst ständig. Erwachsene lassen sich taufen und konfirmieren.
Angestrebt ist die Eigenständigkeit dieser jungen Gemeinde. Dringend sucht sie einen Gottesdienstraum und Räume für Gemeinde- und Jugendarbeit. Hilfe hierfür wird auch vom Oberbürgermeister in Togliatti erbeten. Im Juni 2004 reiste Superintendent Hans-Joachim Lenke zu einem 1. Besuch nach Togliatti.

Als Unterstützer dieser Anschubhilfe konnten zusätzlich gewonnen werden: Arbeitsstelle für Ostkirchen- und Aussiedlerarbeit im Amt für Gemeindedienst und Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Martin-Luther-Bund (Erlangen), Gustav-Adolf-Werk (Leipzig).

Wie können Sie der Gemeinde helfen?
  • Sie können die Gemeinde mit allen in ihr engagierten Personen fürbittend begleiten.
  • Sie können durch regelmäßige oder auch einmalige Spenden Ihre Verbundenheit mit dieser Gemeinde ausdrücken.

Bankverbindung: Kirchenkreis Wolfsburg
Stichwort "Togliatti 01.3500.06.2200"
Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg
BLZ 269 513 11
Kontonummer 025 602 004

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